Unser Vorsitzender im Interview

„Es ist ein komisches Gefühl“

Lothar Pistauer im Interview mit Jens Dörr

Dass Vorsitzender Lothar Pistauer (vorn rechts) und der MGV Münster auch in diesem Jahr die Groß-Umstädter Weinhoheiten zum Weinfest am Mäusberg begrüßen dürfen, scheint fast ausgeschlossen. Die meisten Veranstaltungen seines Jubiläumsjahrs hat der Verein bereits ins Jahr 2021 verschoben. (Foto: jedö)

Die Corona-Krise schränkt das sportliche und kulturelle Leben auch in den vielen Vereinen ein – so etwa beim MGV Münster. Der Männergesangverein zählt zu jenen, die es gerade besonders trifft: Ob seines 175-jährigen Bestehens hatte man für 2020 mehrere Veranstaltungen geplant. Im Interview mit dem Journalisten Jens Dörr, erklärt einer der Vereinsvorsitzenden, Lothar Pistauer, wie der MGV Münster mit der schwierigen Situation umgeht.

Herr Pistauer, trifft die Corona-Krise den MGV Münster zum Jubiläum besonders hart?

Durch das Versammlungsverbot waren wir gezwungen, den gesamten Probenbetrieb für unsere Chöre bis auf Weiteres einzustellen. Betroffen davon sind sowohl die Kinder unseres Regenbogenchors als auch die Sänger und Sängerinnen von FUTURE VOX und des Männerchors. Wir waren mitten in den Vorbereitungen für unsere Jubiläumsveranstaltungen, als die Regelungen in Kraft getreten sind. Unser Kirchenkonzert haben wir am Vorabend abgesagt – eine richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Nun haben wir sämtliche Jubiläumsveranstaltungen ins Jahr 2021 verschoben. Die Entscheidung ist uns natürlich nicht leicht gefallen. Aber wir haben es aus Verantwortung und Fürsorge gegenüber unseren Sängern, Kindern, Dirigenten und nicht zuletzt unserem Publikum so entschieden.

Ist es sicher, dass es 2020 gar kein MGV-Event mehr geben wird?

Zumindest für das Weinfest sehe ich wenig Aussichten. Sollte der SV Münster seinen jährlichen Sommergarten doch abhalten können, werden wir uns mit dem Weinfest und der Auftaktveranstaltung „Rudel SingSang“ mit Tom Jet am Donnerstag wahrscheinlich anschließen. Bis zur Glühweinkerb ist ja noch etwas Zeit und wir alle hoffen, dass bis dahin die Beschränkungen vollständig aufgehoben sind und Corona nur noch eine untergeordnete Rolle in unserem Leben spielen wird. Ein zweiter „Rudel SingSang“ ist für Dezember vorgesehen. Für die eigentlichen Jubiläumsveranstaltungen gibt es 2021 schon Ersatztermine.

Welche finanziellen Auswirkungen haben Verlegungen und Virus auf den MGV?

Wir hatten für das Jubiläum schon kräftig die Werbetrommel gerührt. Flyer und Plakate waren gedruckt, Anzeigen geschaltet und Eintrittskarten für verschiedene Veranstaltungen teils schon verkauft. Wir hatten Sonderproben für das Kirchenkonzert und einiges mehr. Natürlich fehlen jetzt die kalkulierten Einnahmen oder können erst zeitlich verzögert generiert werden. Wobei die gekauften Eintrittskarten für das Kirchenkonzert und die Veranstaltung mit „Füenf“ ja ihre Gültigkeit behalten. Da sind wir sehr froh, dass nur ganz, ganz wenige unserer Besucher auf die Rückerstattung der Eintrittsgelder bestanden haben. Auch unsere Geschäftspartner und die engagierten Künstler sind uns sehr entgegengekommen, so dass sich die finanzielle Belastung in Grenzen hält. Natürlich laufen feste Ausgaben wie Honorare, Mieten und Versicherungen weiter. Das sollte dem MGV finanziell nicht das Genick brechen. Wir sind aber froh, dass wir in den letzten Jahren – dank manch gut gelungener Veranstaltung – ordentlich gewirtschaftet haben.

Wie schwer fällt es den MGV-Chören, dass die Proben zurzeit ausfallen müssen?

Es ist natürlich ein komisches Gefühl. Es ist Dienstagabend und du gehst nicht aus dem Haus, um mit deinen Sangesfreunden zu singen. Man muss sich vorstellen, dass es in unserem Männerchor Sänger gibt, die das fast ihr ganzes Leben lang Dienstag für Dienstag so getan haben und dies hoffentlich auch weiterhin tun werden. Beim Chorgesang ist das „Social Distancing“ nur schwer möglich. Die Abstandsregeln von zwei Metern kann ein Chor nicht einhalten. Gerade die Nähe der Sänger macht das Chorwesen und den Chorklang aus.

Wie soll es weitergehen, was ist Ihr Wunsch für die MGV-Zukunft?

Zunächst werden wir uns weiter in Geduld üben müssen und abwarten, was die staatlichen Stellen entscheiden. Wenn die Beschränkungen noch längere Zeit andauern, wird sicherlich das gesamte Vereinswesen in unserem Land vor ganz neue Herausforderungen gestellt sein. Ich wünsche mir, dass wir alle gesund bleiben und niemand von uns in seinem Umfeld schwere Erkrankungen oder gar Todesfälle durch Corona zu beklagen hat. Dass wir weiterhin vorsichtig und achtvoll miteinander umgehen, um so Risiko zu vermeiden. Dass die Arbeit derer, deren Arbeit wir erst in der Krise so richtig wertschätzen, auch danach noch anerkannt und gebührend honoriert wird. Dass unsere Sänger und Sängerinnen bei der Stange bleiben und wir uns hoffentlich bald wieder zum gemeinschaftlichen Singen treffen können. Und letztendlich, dass alle Münsterer Bürger, Gewerbetreibende, Gastronomen, Institutionen und Vereine Durchhaltevermögen entwickeln und wir gemeinsam irgendwann und irgendwo wieder miteinander feiern können. Spätestens bei „MGV 175 Jahre plus 1“ im Jahr 2021.